Presse

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Jagdgeschichten und gute Laune

Gartenlesungen des Eichwalder Vereins „Kind und Kegel“ gehen in die nächste Runde – Auftakt

von Jana Schmidt, MAZ vom 18.8.2017

Eichwalde.  … Die Lesung des beliebten Schauspielers Hans-Jochen Röhrig war komplett ausverkauft. „Stühle haben wir keine mehr, aber ich kann Ihnen einen Platz auf dem Rasen anbieten“, begrüßte Organisatorin Christine Schlösser die letzten Zuschauer. 130 Gäste hatten sich eingefunden. … Hans-Jochen Röhrig ist mittlerweile pensioniert. „Es ist ein schönes Gefühl, vor einem derart aufgeschlossenen Publikum mitten in der Natur aufzutreten“, verriet der Schauspieler. Seine Spezialität sind die vielen Dialekte, in denen er die Stimmen der Figuren voneinander abhebt. Die Zuschauer belohnten ihn mit kräftigem Applaus.

 

Die Lust nach märk’schen Rübchen „Märkische Leselust“ mit Goethe und Zelter

von Gerold Paul
Die „Märkische Leselust“ kann manchmal bis nach Weimar reichen, da wo die Dichterfürsten thronten. In klassischer Zeit wuchs selbst dort noch manches Pflänzlein heran, eine Art freilich nicht: Märkische Rübchen. Nun wäre es natürlich völlig ungebührlich, einen Zusammenhang zwischen dem Briefwechsel von Johann Wolfgang Goethe und Karl Friedrich Zelter und Goethes unbegreiflichem Appetit nach diesen „Teltowern“ zu konstruieren. Dass solche Bestellungen in der 30-jährigen Korrespondenz trotzdem verdächtig oft auftauchen, war der beliebten Lese-Matinee „Märkische Leselust“ unter dem Titel „Schicken Sie mir echte märk’sche Rübchen“ im Hans Otto Theater am Sonntag klar und deutlich zu entnehmen. Hans-Jochen Röhrig hatte sich die Mühe gemacht, dem Publikum einen Querschnitt aus den 871 Briefen zusammenzustellen und mit Zelter-Vertonungen von Goethes Gedichten zu schmankerln.

Und damit ist man auch schon mittendrin in Röhrichts gut besuchter Lese-Matinee. Doch wo beginnen? Bei der Musik, bei der Kunst, den Weltläufen, der Geschichte, den Staatskünsten? Nichts dergleichen, im Glasfoyer des Theaters erlebte man Goethe und Zelter eher privat. Man schätzte und hofierte einander, schwatzte über Reichardts Kompositionen, drängte auf persönliche Begegnungen, wovon kein Text dann Zeugnis gab; hier ein Trauerfall, dort der Vorschlag, wenigstens Sohn August nach Berlin zu senden, was ein sonderbares Licht auf diese angebliche Tiefenfreundschaft wirft: Des Vaters Intimus sollte auch des Sohnes Freund sein? Dafür immer wieder Bestellungen märkischer Rübchen Richtung Weimar. Alles so nett und menschlich! Wo aber blieb die im Original so unübersehbare Substanz, die einen Klassiker erst zu einem echten Klassiker macht, fähig also, dem lieben Publikum mehr als ein seliges Seufzen abzuringen? Nein, das war alles zu schnell und nicht gut bedacht: Gleich mal den vieltausendseitigen Briefwechsel präsentieren zu wollen, war natürlich geschummelt.
Zelter, gelesen von Christoph Hohmann, den Part des Protagonisten zu überlassen, während der Aktivist Goethe, alias Hans-Jochen Röhrig, nur passiv die Rolle des Stichwortgebers, Kurzantworters und Rübchenbestellers bleibt, könnte fast schon unter Subversion laufen, wüsste man es nicht besser. Aber bekanntlich gibt es ja keine schlechten Goethe-Veranstaltungen, dieser Mann kommt immer an! So auch am Sonntag bei der „Märkischen Leselust“.
Erschienen in der Potsdamer Neuesten Nachrichten am 24.04.2012

 

Brandenburger Nachrichten – Nachrichten aus Ihrer Region 30.04.2012

Marianna Linden verzaubert mit ihrem neuenglischen Dialekt, wenn sie die Imma Spoelmann gibt.
Wenn Harfenistin Eva Curth in die Saiten greift, fällt es leichter sich mit der Belle Époque zu arrangieren.
Das edle Format märkische Leselust wendet sich diesmal einem beinahe vergessenen Stück von Thomas Mann zu.
Thomas Mann schrieb seinen Roman „Königliche Hoheit“, der ihm am Tage des Jüngsten Schriftstellergerichts noch böse auf die Füße fallen wird. Mit dieser dunklen, weitestgehend unbekannten Seite des großen Thomas Mann machten das Brandenburger Publikum Hans-Jochen Röhrig, die Schauspielerin Marianna Linden, der Schauspieler Michael Schrodt und die Harfenistin Eva Curth im Rahmen der Reihe Märkische Leselust bekannt. Vierzig Gäste hörten im Foyer des Großen Hauses an der Grabenpromenade exquisite Vortragende zu einem Stück, was Mann der Öffentlichkeit gegenüber als „liebenswürdiges, parodistisches „Lustspiel in Romanform““ bezeichnete. Selbst jedoch erkannte er in einem lichten Augenblick, dass dieses Märchen, das im Jahre 1909 an die deutschen Leser verteilt wurde, das Attribut „läppisch“ verdiene. Es ist triefender Schmalz pur. Auch meisterlicher Gebrauch der Sprache konnte das Sujet nicht retten. …

Unter diesen Umständen ist die Kunst der Lesenden nicht hoch genug zu loben. Ob es Frau Lindens herrlicher neuenglischer Dialekt ist, den sie abrief, wann immer sie die Imma Spoelmann gab. Ob es Hans-Jochen Röhrigs und Michael Schrodts Gelispel war, wenn sie den Albert zitierten. Voller mimischer Einsatz — ein guter Vorleser verlegt die Handlung in die Köpfe seiner Zuhörer, so wie der Dichter eines guten Werkes ganze Landschaften zu zaubern vermag. Der Kontrast zu einem Thomas Mann auf Abwegen wurde von der Harfenistin Eva Curth geliefert, die unter anderem mit Händels Harfenkonzert B-Dur das Werk eines Meisters präsentierte, der sich selbst treu geblieben war.

Dank gebührt den Potsdamern um den wunderbaren Röhrig, dass sie uns mit dieser Märkischen Leselust vor fataler Nostalgie bewahrten!

 

Märkische Allgemeine Zeitung vom 2.6. 2015

zu Theatermusiken von Shakespeare, Kammerakademie Potsdam

… bei dieser Suite (der von Prokofjew) handelt es sich um eine Auswahl handlungswichtiger Szenen, zwischen denen Hans-Jochen Röhrig die passenden Originaltexte mit sprachtheatralischer Lust vorträgt. …
Die Arien, Duette und Ensembleszenen der Nikolaischen „Lustigen Weiber“ garantierten dem Kenner einen lustvollen Spaziergang durch die Harmonien. Weniger Kundige bekamen durch entsprechenden Mono- und Dialoge Nachhilfe – köstlich der des versoffenen, asthmatisch stöhnenden, liebestollen Falstaff Röhrigs. …
Bezaubernd diese Art von Liebesnahrung.

 

Potsdamer Neueste Nachrichten, 25.01.2013

Fontanes „Vor dem Sturm“
„Einen Roman wie Theodor Fontanes „Vor dem Sturm“ für eine gut anderthalbstündige Lesung zu kürzen, ist sicher nicht ganz einfach, und zwar nicht nur weil er mit rund 800 Seiten sein umfangreichster ist. Die eigentliche Schwierigkeit ergibt sich wohl, inmitten der enormen Vielzahl der Handlungsstränge, der überquellenden Fülle der Figuren und des Reichtums an Themen überhaupt einen roten Faden zu finden, der ganz für sich, bestehen kann und ohne ständige Rückverweise dennoch dem Kontext dieses epischen Großwerks verpflichtet bleibt. Dem Schauspieler Hans-Jochen Röhrig ist dieser Kunstgriff gelungen.
Dabei ist es ein Genuss, Sabine Scholze und Hans-Jochen Röhrig bei ihrem fein abgestimmten und in den Dialogpartien brillanten Vortragswechselspiel zu lauschen. Alles passt!“

Potsdamer Neuesten Nachrichten, 10.07.2012
Thomas Mann „Der Tod in Venedig“

„So saß man im Dunkel des Theatersaals und reiste mit Hans-Jochen Röhrig und Moritz Führmann auf den Spuren Guatavs von Aschenbach nach Venedig, wo dieser bekannte und geachtete Schriftsteller an einer verhängnisvollen Leidenschaft zugrunde geht. Es war das fast blinde Verstehen und Zusammenspiel von Röhrig und Führmann, das das Ironisch-Tragische in Thomas Manns meisterhafter Novelle mit treffender Leichtigkeit verband. Das Außergewöhnliche dieser fast schon perfekten Sprach-und Erzählbeherrschung von Thomas Mann wurde hier zu etwas Selbstverständlichem, Aschenbachs Niedergang zu einem regelrechten Krimi.“

Märkische Volksstimme, 10.02.2013
Siegfried Lenz „So zärtlich war „Suleyken“
Hans-Jochen Röhrig las die masurischen Erinnerungen nicht nur, sondern der Hauptdarsteller lebte sie auch mit dem unverwechselbaren Dialekt des Landstrichs. Hinzu kam die Spielfreude von Christoph Knitt am Fagott. Er intonierte mit seinem Instrument Jagdgesellschaft, Elefant oder eine sterbende Gans und machte so die „Märkische Leselust“ zu einem unterhaltsamen Vergnügen.“

 

Märkische Allgemeinen Zeitung, 02.07.2012

Gespielter Wilhelm Busch – Hans-Jochen Röhrig brillierte in der Fahrländer Dorfkirche

(…) Wie unprätenziös Röhrig zum Pult schritt und begann Buschs Rückschau „Von mir über mich“ vorzutragen, muss man erlebt haben. Röhrig schien weniger zu lesen, sondern er wurde zu Text. … In dem Maße wie das Publikum von der glimmenden Lunte der Begeisterung des Vortragenden begeistert wurde, entzündete sich ein regelrechter Busch-Brand und erleuchtete das Werk des Dichters. Röhrig spielte entfesselt gestikulierend, dabei ungeahnte Töne erzeugend und gab so den Gedichten eine theatralische Dimension.
(…) So lapidar Röhrigs Beginn war, so undramatisch geriet sein Abgang. Busch hätte seinen Hut gezogen.“